Der schlimmste Misshandlungsfall seit 35 Jahren – Tierschutzalltag in Spanien

Der schlimmste Misshandlungsfall seit 35 Jahren – Tierschutzalltag in Spanien

„In all den 35 Jahren die unsere Organisation bereits Tierschutz betreibt, ist das der vielleicht schlimmste Fall von Vernachlässigung und Misshandlung.“, schreibt unsere ehrenamtliche Tierschützerin Ana heute in einem offenen Brief aus Ciudad Real. Und was sollen wir sagen: In all unseren Jahren Tierschutzarbeit ist es das wohl auch.

Zwei Podencos wurden am 11.06.2016 aus einem fahrenden Van geworfen, nahe der Universität von Ciudad Real, natürlich ungechippt und ohne einen Hinweis zu deren Herkunft.

Es ist schwer zu sagen wie alt die beiden Mädchen sind, aufgrund ihres aktuellen Zustandes, doch es könnte sich um Mutter und Tochter halten, so die erste Einschätzung. Was wir sicher sagen können: Sie haben ein Leben voller Leid, Angst, Schmerz und Einsamkeit hinter sich, davon sprechen die braunen Augen der Mutter, und die blau-grünen Augen ihrer Tochter Bände.

Ein Leben in der Hölle

Diese beiden armen Seelen versetzt menschlicher Kontakt in Angst und Terror, natürlich, ist doch davon auszugehen das sie von Menschen bisher nur Gewalt und Schmerz erfahren haben. Vermutlich wird es dort wo Raíz und Tierra herkommen noch viele weitere solcher Hunde geben. Hunde, die in der Hölle leben, während ihr Besitzer abends ins Bett geht und in einen ruhigen, sanften Schlaf fällt. Die Podencos, die in Spanien immer noch zahlreich zur Jagd eingesetzt werden, haben in Spanien keine Rechte.

Unübersehbar: Diese beiden haben nichts zu essen bekommen und vermutlich von ihren eigenen Fäkalien gelebt. Eingesperrt in einem dunklen Verschlag, ohne Licht, ohne eine Möglichkeit zu entkommen. Wartend auf den erlösenden Tod, ohne jede Hoffnung, in stiller Resignation.

Sie haben kaum mehr Haare, sind fast das rohe Fleisch. Die ganze Haut ist entzündet, sie sind immerzu am zitternden, die Wunden, Narben und offenen Stellen lassen sich nicht einmal mehr zählen.

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Gibt es die Chance auf ein Happy End?

Vor Raíz und Tierra liegt nun ein langer Weg der Regeneration, einen, den sie vielleicht nicht einmal überleben werden. Morgen wird es für die beiden zum Tierarzt gehen und wir alle halten den Atem an, dass die Diagnose nicht zu niederschmetternd sein wird.

Helfen Sie uns das Leid der spanischen Jagdhunde bekannt zu machen. Helfen Sie uns, mehr Menschen dazu zu bewegen, Hunden wie Raíz und Tierra eine Chance zu geben, in dem sie Hunde aus dem (Auslands)tierschutz adoptieren. Helfen Sie uns, dass Hunde wie diese nicht vergessen werden und leidvolle Schicksale wie diese nicht vergessen werden.

Sobald wir mehr Informationen zu Raíz und Tierra haben, werden die beiden in die Vermittlung aufgenommen. Sollten Sie sich für die Adoption interessieren, nehmen Sie bitte Kontakt zu uns auf.

Update 13.06.2016

Liebe Spender, Freunde und Unterstützer,
die Anteilnahme am Schicksal von Raíz und Tierra ist überwältigend und macht uns sprachlos. Es sind bereits so viele Spenden eingegangen, über uns und andere Wege, dass wir aktuell einen „Spendenstopp“ einleiten. DANKE! DANKE! DANKE!

Raíz und Tierra sind gestern noch in eine bezahlte Hundepension umgezogen, in der sie besser versorgt und untergebracht werden können, als im überfüllten Tierheim. Ein Erstbesuch beim Tierarzt fand ebenfalls noch gestern Abend statt. Eine erste Gewissheit: Die beiden haben keine Krätze! Nach der Ursache für den Haarverlust wird also weiter gesucht.

Die Nacht haben die beiden gut überstanden und heute früh bereits spezielles Futter verputzt. Den nächste Tierarztbesuch inkl. Blutabnahme und weiterer Tests haben sie ebenso gut überstanden und man mag fast glauben, dass sie etwas lebendiger und fröhlicher aussehen.

Raíz und Tierra wiegen aktuell 12kg und 16kg, haben heute intravenös Vitamine und Flüssigkeit bekommen. Die Prognose sieht deutlich besser aus als erwartet: Sie sind außer Lebensgefahr! Der Test auf Leishmaniose war ebenso negativ, die Testergebnisse vom Bluttest stehen noch aus. Tierra hat eine Anämie und eine entzündete offene Wunde, doch auch das kann geheilt werden.

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In der Pension wird sich rührend um die beiden gekümmert, sie haben ein warmes, weiches Plätzchen und sogar einen kleinen Garten an der frischen Luft. Wenn sie sich unebobachtet fühlen, trauen sie sich raus und genießen das Licht, die Luft und die Freiheit.

Dank der hervorragenden Öffentlichkeitsarbeit ist das Medienecho auch in Spanien riesig. Bei unseren Tierschutzkollegen sind seit gestern über 500 E-Mails eingegangen, Radio, TV und Zeitung stehen Schlange um über den Vorfall zu berichten. Gegen den vermutlichen Besitzer und Mann, der die beiden aus dem Wagen warf, wird Anzeige eingereicht. Er wurde zwar beobachtet, hatte während der Aktion jedoch das Nummernschild (aus gutem Grund) verdeckt.

Wir werden Sie über das Schicksal von Raíz und Tierra auf dem laufenden halten und möchten uns schon jetzt im Namen der beiden Podencos als auch im Namen unserer spanischen Tierschützer recht herzlich bei Ihnen bedanken. Für Ihre Anteilnahme und Unterstützung können wir nicht die richtigen Worte finden… danke!

Hier noch der „Beweis“, dass Ihre Spendengelder auf direktem Wege an unsere spanischen Kollegen gegangen sind. (300€ gestern, der Rest heute.)

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Update 13.06.2016, 17:32 Uhr

Es gab bereits Gerüchte das ein weiterer Hund in ähnlichem Zustand in der Stadt unterwegs sein sollte, der jedoch nicht einzufangen sei. Soeben konnte dieser arme Kerl in einem Schuppen eingefangen werden… so wie er aussieht stammt er wohl aus dem gleichen Haushalt wie Raiz und Tierra.

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Update 14.06.2016, 16:00 Uhr

Bosque, so heißt dieser traurige Kerl, teilt dieselbe Geschichte wie Raiz und Tierra. Nach mehreren Stunden in denen man vergebens versuchte ihn einzufangen, half nur noch eine Narkose um ihn außer Gefecht zu setzen. Bosque hatte große Angst, biss um sich und war im wachen Zustand absolut nicht zu bändigen. Es bestand Gefahr für ihn und alle freiwilligen Helfer.

Dank der Narkose konnte Bosque geborgen werden, bekam zur Sicherheit aller Beteiligten einen Maulkorb und wurde direkt dem zuständigen Tierarzt übergeben. Wir gehen stark davon aus, dass Bosque aus dem gleichen Haushalt stammt wie Raiz und Tierra und wir glauben auch, dass noch mehr dieser Hunde auftauchen werden.

Die Sichtung eines weiteren Hundes in ähnlichem Zustand wurde bereits unseren Tierschutzkollegen gemeldet. Bisher konnte er jedoch nicht eingefangen werden.

Bosque befindet sich in einem ähnlichen kritischen Gesundheitszustand, nähere Informationen werden wir in den nächsten Tagen erhalten. Leider ist er noch traumatisierter als die beiden Mädchen und so panisch, dass er heute sogar seinen Käfig beim Tierarzt völlig zerlegt hat…

Bosque wird heute noch in die Pension umziehen in der auch die beiden Mädels untergebracht sind. Die „Zusammenführung“ wird gefilmt und wir sind gespannt ob sich die Hunde wiedererkennen. Raiz und Tierra machen weiter Fortschritte und sind aber immer noch täglich beim Tierarzt zu Besuch.

Alle Spenden die noch bei uns eingegangen sind wurden heute wieder an unsere spanischen Kollegen weitergeschickt. – Danke für eure Hilfe!

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Update 15.06.2016

Raiz und Tierra machen weiter Fortschritte. 🙂 Sie werden weiter medizinisch behandelt und mit Vitaminen und Infusionen versorgt und in ihrer Pension liebevoll betreut. Hier ein aktuelles Video der beiden sowie Auszüge der Rechnungen von der aktuellen Behandlung.

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Update 16.06.2016

Update 17.06.2016

Auch Bosque geht es langsam besser! Er befindet sich zwar immer noch in der Tierklinik, fasst jedoch langsam Vertrauen zu Menschen und hat auch sein erstes Bad gemeistert. Er lässt sich schon viel besser händeln und die Prozeduren über sich ergehen. Die Blut- und Testergebnisse stehen noch aus.

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Update 19.06.2016

Bosque konnte heute in die Pension umziehen die Raiz & Tierra bereits bezogen haben. Und trotz des ersten Bades von Bosque war den beiden Mädchen schon nach dem ersten Schnüffeln klar: Den kennen wir! Es hat sich also bestätigt was wir schon vermuteten: Bosque, Raiz & Tierra kommen aus dem gleichen grausamen Haushalt.

Was jedoch eine völlige Überraschung ist: Bosque hat sein Wesen komplett geändert! Er ist sehr zugänglich geworden, zunächst zwar schüchtern, aber sobald er mit Keksen angelockt wird, lässt er sich streicheln und schläft dabei sogar fast ein. Er ist ein ganz und gar lieber, neugieriger und süßer Zeitgenosse, mit den riesen Augen und Ohren ein echter Herzensbrecher! Mit Raiz spielt er gern, aber sie ist der Boss und das weiß er. Auch mit Tierra versteht er sich gut und wedelt vorsichtig, wenn er sie sieht.

Auch die beiden Mädchen haben mittlerweile ihr erstes Bad erhalten. Raiz hat wieder richtig weißes Fell – zwei Bäder und zwei Baderäume waren dafür notwendig… nun sieht sie aber wieder toll aus, auch wenn sie der neue frische Geruch noch sehr irritiert. Beim Bad wurden die beiden auch noch mit Schwämmen und Kämmen massiert und aufpoliert, was der Krätze geschundenen Haut gut getan hat und die alten Schuppen entfernt hat.

Nun, wo die drei wieder zusammen sind, ist die Gruppe viel mehr in Bewegung und deutlich aktiver. Sie schlafen nicht mehr den ganzen Tag, sind viel entspannter und genießen richtig das neue Lebensgefühl. Manchmal werden sie jetzt sogar beim spielen mit Spielzeug beobachtet. 🙂

Es gibt noch viel zu tun, noch viele Medikamente zu geben, noch viel Liebe und Geduld zu geben, noch viel zu lernen. Aber der Beginn für ein lebenswertes, neues, zufriedenes Leben in Ruhe und Glück ist gemacht.

Update 27.06.2016

Vor 17 Tagen haben Tierra & Raiz bei unseren Tierschutzkollegen von Protectora La Bienvenida Ciudad Real Zuflucht gefunden, Bosque folgte weniger Tage später nach einer nervenaufreibenden Rettungs- und Fangaktion.
 
In den knapp 3 Wochen haben die drei gebeutelten Podencos große Fortschritte gemacht. Das ist u.a. der Hilfe durch Sach- und Geldspenden zu verdanken, als auch natürlich der aufopferungsvollen Arbeit und Betreuung vor Ort. Dafür möchten wir uns noch einmal ganz herzlich bei allen bedanken, die das möglich gemacht haben.
 
Aktuell gibt es noch keine weiteren Informationen zum Gesundheitszustand oder Testergebnissen, sobald wir diesbezüglich etwas hören sagen wir Bescheid. Derzeit können wir auch noch nicht sagen wann die 3 zur Vermittlung bereit sind, da sie sich erst einmal in Ruhe erholen und zu Kräften kommen sollen, bevor sie den nächsten Meilenstein nehmen.
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Update 19.07.2016

Unsere drei Sorgenkinder haben sich mittlerweile prächtig gemacht und sind nicht mehr wiederzuerkennen. Bis sie so richtig find sind, können sie in der ihnen vertrauten Pension bleiben, dann beginnt für alle eine Reise in ein neues Leben: Sowohl Raiz als auch Tierra und Bosque werden in Spanien bleiben und haben dort bereits Familien die auf sie warten.

Zum Abschluss, bevor wir diesen Fall unter den „Happy Ends“ einsortieren, möchten wir Ihnen dieses Video aber nicht vorenthalten:

Update 23.09.2016

Liebe Spender und Unterstützer, die vorher- und nachher Bilder unserer besonderen Notfälle möchten wir euch nicht vorenthalten. Die drei einst so geschundenen Tierchen haben mittlerweile ihr Zuhause gefunden und sind nicht mehr wiederzuerkennen.

Vielen Dank an alle die mitgeholfen haben und dieses Wunder möglich gemacht haben!

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Kein offizieller Spendenaufruf…

Wir haben in letzter Zeit für die verschiedensten Notfälle viele Spendengelder gesammelt und möchte nicht wieder um finanzielle Unterstützung betteln. Wer sich dennoch berufen fühlt, den beiden armen Seelchen zu helfen darf das natürlich gerne tun! (Und wie viele von euch das gleich wieder ohne zu zögern gemacht haben, macht uns stolz, glücklich und verlegen zugleich. Danke, danke, danke!)

Wir leiten die Spenden 1-zu-1 an unsere spanischen Kollegen weiter, damit die Versorgung sichergestellt und gestemmt werden kann.

ACHTUNG: Es sind bereits so viele Spenden eingegangen, das wir „Spendenstopp“ einlegen zum aktuellen Zeitpunkt. Raíz und Tierra sind vorerst versorgt. Sollten Gelder übrig bleiben, werden diese für andere (ähnliche) Notfälle vor Ort verwendet und kommen 100% den Tieren zugute.

Aktueller Spendenstand: 2273€

Bereitgestellt durch (und dafür tausend Dank ganz besonders im Namen des Teams vom Tierheim La Bienvenida an): S. Will, M. Schalla, A. Krantz, D. Biedermann, S. Brand, S. Wels, S. Schrüfer, C. Bechtel, C. Thiel, S. Siebecker, B. Kroeger-Broch, M. Anders, W. Bloßfeld, M. Sacco, J. Schönmann, V. von Thaden, E. Widmayer, S. Kegel, G. Gerlach, C. Dörr, S. Zunk, A. Ulrich, M. Wolf, B. Weihsbeck, M. Medlic, W. Alex, D. Itzsche, S. Oschinski, K. Frey, C. Wieczorek, K. Hettner-Meisterernst, S. Küppers-Pietrowski, J. Holländer, L. Mayer, T. Allyjaun, D. Urmann, S. Ruoff, D. Henri, S. Robers, M. Bellwidt-Schaefer, J. Hausin, E. Rajnys, H.-J. Wiegand, J. Günther, C. Siebler, Kieler Volksbank Baumgart, C. Schoch, C. Surges, H. Goymann, D. Yalcinkaya, P. Zanoni, S. Swienty, K. Gerner, S. Horn, E. Berendonk, D. Elmazi, M. Korthals, S. Schüle, G.Pilkiewicz, C. Böhm-Micklich, R. Schweizer, A. Zächer, J. Zoll, D. Kühlemann-Schmidt, F. Schaefer, M. Kahl, P. Schmidt, K. Stoll, H. Jackel-Sickinger, C. Pollin, M. Schwarz, U. Schneck, M. Ries, S. Bauer, J. B. Stolzer,

 

Update 05.12.2016

Wir hatten doch mal einen Bericht und Spendenaufruf für diese beiden ehemals verwahrlosten Podencos.
Sicher interessiert es die Leute was aus ihnen geworden ist .
So sehen sie heute aus und sind inzwischen in ihre Familie in Madrid gezogen.
Ein gutes Beispiel, dass es sich lohnt nie aufzugeben.

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Update 08.01.2017

Raiz und Tierra genießen ihr neues Leben und schicken viele Grüße aus dem neuen Zuhause.

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Vergiss mich nicht Tiernothilfe e.V.